#100atnepal

Der Hashtag #100atnepal steht für ein Spendenprojekt , dass ich mit meinem guten Lauffreund Frank initiiert habe. Wir wollen in einem Tag die sechs Etappen des  Albtraufgängerwegs im Landkreis Göppingen laufen, um damit zum Spenden für Nepal zu animieren.

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Im Felsenmeer

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Grünes Paradies

Der Idee für den Lauf hatte ich bereits vergangenen Dezember. Einen Großteil der Strecke kenne ich und die mir unbekannten zehn Kilometer habe ich heute erkundet.

Unser Lauftermin steht seit Wochen: Wir werden am 15.5 um 5.15 Uhr starten. Da zumindest ich ein deutliches Trainingsdefizit aufweise, wird es durchaus herausfordernd, den Zielpunkt bei Tageslicht wieder zu erreichen. Was als gemütliche, lockere Runde geplant war, hat durch das Erdbeben vom 25. April einen ernsten Hintergrund erfahren.

Auf der Aktionsseite „Deutschland hilft“, die wir als seriös einstufen, haben wir unsere Aktion hinterlegt und bitten euch dort, oder gerne auch woanders, für die Menschen in Nepal zu spenden – jeder Euro zählt.

Wir werden euch auf facebook, twitter und natürlich hier auf dem Laufenden halten und freuen uns, wenn sich viele engagieren.

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„Lauf das Ding“

Eine Woche vor der Brocken-Challenge 2015, zwei Monate nach meinem Schlüsselbeinbruch in den Hügeln hinter St. Etienne. Gestern habe ich eine Entscheidung getroffen. Sie ist mir verdammt schwer gefallen und ich bin bereits am zaudern. Aber ich denke, die Vernunft hat gesiegt: Die #BC2015 wird ohne mich stattfinden.

„Lauf das Ding“ hat mein Arzt vor zwei Wochen am Telefon zu mir gesagt. Solange ich nicht stürze, würde medizinisch nichts gegen die Brocken-Challenge 2015 sprechen. So weit, so gut. Er hat aber auch gesagt, dass wir nach dem Lauf erneut röntgen werden, weil die beiden Knochenstücke etwas Annäherungsschwierigkeiten haben und nicht so wollen, wie sie sollen.

Diesmal ohne mich, passt auf euch auf.

2015 ohne mich, passt auf euch auf.

Ich wäre zu gerne die #BC2105 gelaufen. Eine halbe Stunde vor Meldeschluss hatte ich mich angemeldet und das Losglück war mir hold. Aber die Betonung liegt auf Laufen! In diesem Jahr wird das eine echte Challenge aufgrund der voraussichtlichen Witterung. Zudem ist mein Trainingszustand nach gut 200 Kilometern in den vergangenen beiden Monaten (über die Hälfte in den beiden vergangenen Wochen) zwar überraschend gut, aber nicht ausreichend, um die #BC2015 halbwegs zu genießen. Ich hatte das jetzt auf meinen heimischen Schneetrails erfahren. Eine langsame Zeit schreckt mich nicht, mich schreckt auch die Kälte und der schwierig zu laufende Untergrund nicht, aber ich bin einfach nicht fit. Mein längster Lauf waren zweieinhalb Stunden gestern. Danach haben mir Körperstellen weh getan, die ich sonst beim/nach dem Laufen nicht spüre. Mein Schlüsselbein schmerzt nach gut eineinhalb Stunden, das vergeht dann zwar wieder, aber weiß ich, wann es wiederkommt? Zehn, elf vielleicht sogar 12 Stunden sind eine lange Zeit und ich kann gegenwärtig einfach nicht einschätzen, was nach drei, vier Stunden mit mir passiert.

Die Brocken-Challenge ist für mich weit mehr, als nur ein Lauf. Man trifft die Ultrafamilie und man hat aus meiner Sicht die beste Organisation, die es gibt. Ich habe seit zwei Wochen hin- und herüberlegt, habe Menschen befragt, für die das überhaupt keine Frage war. Ok, da waren nur ganz wenige Ultraläufer dabei, aber keiner hat wirklich verstanden, warum ich in meinem jetzigen Zustand dort starten wollte. Gestern auf dem Weg zum Fuchseck, einer meiner Hausberge wurde mir klar, dass ich keinen Tag Urlaub nehme, 500 Kilometer in den Harz fahre, um ab Barbis 40 Kilometer auf den Brocken zu wandern. Sorry, aber das muss ich nicht haben.

Allen Startern wünsche ich eine gesunde und schöne Brocken-Challenge: Habt ein geiles Briefing und passt auf, was euch ASCHU erzählt, stärkt euch bei dem genialen Frühstück und der geilen Verpflegung unterwegs (ihr werdet brauchen, was euch der FOODMASTER organisiert hat), habt eine schönen Tag mit einem gelungenen Abschluss im Goethesaal. Egal, wer vom ASFM-Team euch die Urkunde dort oben überreicht. Ihr könnt sicher sein, der Händedruck kommt von Herzen. Und seid gewiss, wenn ihr das Zielband seht (ja nach Witterung vielleicht erst wenige Meter vorher), dann habt ihr was Grandioses vollbracht.

Ich bewerbe mich für die #BC2016 wieder.

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17:81 zur Halbzeit

In 34 Tagen will ich 81 Kilometer auf den Brocken rennen. Seit meinem Besuch bei der Alten aus Lyon, vor 33 Tagen, habe ich gerade einmal 17 Kilometer geschafft. Wie ich diesen Rückstand in der zweiten Halbzeit aufholen soll, ist mir schleierhaft.

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Halbvoll oder halbleer?

Mir wurde ein bisschen schwindelig, als ich bei meinen 7,5 Kilometern heute daran denken musste, wie ich in 34 Tagen rund das elffache auf dem Weg zum Brockengipfel zurücklegen soll. Hinter mir liegen vermutlich die faulsten fünf Wochen meines Lebens. Seit meinem Sturz in den Anhöhen hinter St. Etienne habe ich mich kaum bewegt: Vermutlich war ich fast 100 Kilometer spaziereren, habe 44 Kilometer auf dem Ergobike getreten und bin 17 Kilometer gelaufen. Perfekte Vorbereitung für die Brocken-Challenge. Nicht wirklich, aber wenigsten habe ich in der Extrem-Relaxing-Phase mein Gewicht fast gehalten – weiß zwar nicht, wie das ging, aber es ist so.

Jedenfalls brauche ich gute Ideen für die zweite Halbzeit, um den Rückstand aufzuholen.

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Die Alte aus Lyon

Die Franzosen nennen sie liebevoll die Mutter aller Trails, ich nenne sie die Alte aus Lyon. Madame Saintélyon ist am 6. Dezember 61 geworden, und ich durfte mitfeiern. Die garstige Alte habe ich dabei nicht in mein Herz schließen können, nur gut ein Drittel ihrer Feier konnte ich genießen. Am Ortsausgang von St. Etienne hat sie mir die beiden Stinkefinger gebrochen, später in den Anhöhen vor Ste. Catherine das Schlüsselbein. Gefinisht habe ich trotzdem, halt etwas später als erwartet.

Denkwürdige Nummer mit Madame Saintélyon

72 Kilometer in der Vollmondnacht von St. Etienne nach Lyon zu laufen ist etwas mehr als das Doppelte meines monatlichen Vollmondtrails von Metzingen nach Nürtingen mit meinem französischen Freund Éric. Auch die knapp 2000 Höhenmeter entsprechen etwa dem Doppelten. Doch wir sind in der Regel gegen 21 Uhr mit unserem Lauf durch, die 15 000, die sich mit Madame Saintélyon die Nacht um die Ohren schlagen, tun das ab Mitternacht. Über sechseinhalbtausend Starter begleiten die Alte auf der langen Strecke, die anderen tun dies auf Teilabschnitten oder als Staffelläufer.

 

 

Lyon am Abend vor dem Start.

Lyon am Abend vor dem Start.

Wer Trail sagt, muss an Frankreich denken, meine Erfahrungen vom CCC und Petit Ballon genügten, um zu verstehen, was mich erwartet. Frank, mit dem ich im Vorjahr in Chamonix war, erzählte im August von diesem Lauf.

Schnell waren wir uns einig, die alte Dame zu besuchen. In Lyon war an dem Wochenende das alljährliche Lichterfest (Fête des Lumières), das fast drei Millionen Besucher in die Stadt lockt, und damit waren auch unsere beiden Ehefrauen leicht von dem 700 Kilometer langen Trip zu überzeugen. Es sollte mein Laufhighlight werden, nachdem die 2014-Saison eher durchwachsen war: Mentales Tief am Brocken, drei Stürze am Petit Ballon, krankheitsbedingte Absage in Biel und so weiter. Nichts verlief so, wie gewünscht. Ich trainierte gut, fühlte mich fit, auch wenn die Startzeit um Mitternacht überhaupt nicht mein Ding ist. Egal, als wir nach elf Uhr in St. Etienne eintrafen, regnete es. Die Halle war brechend voll. Unser französischer Begleiter Benoit musste sich noch umziehen, inmitten der Tausend anderen – ihn störte das nicht, er lief gut sechs Stunden später als Gesamtvierter durch den Zielbogen in Lyon.

Benoit strahlt schon vor dem Start.

Blick nach hinten, rund 500 waren davor.

Ich hatte dagegen deutlich länger meinen Spaß mit Madame Saintéylon. Die ersten acht Kilometer aus St. Etienne hinaus sind asphaltiert, und ich lief das exakt in 40 Minuten. Dann die ersten Meter Trail: Morast! Tiefer lehmiger Schmodder, schwer und klebrig, es ging bergan. Gerade hatte ich mich über den neuen Untergrund gefreut, schon lag ich mittendrin. Ich bin einfach hängengeblieben, vornübergekippt und patsch. Danach hatte ich erhebliche Probleme meine Handschuhe aus- und wieder anzuziehen und  Reißverschlüsse an meiner Jacke zu öffnen, mir taten die Finger weh. Erst viel später wurde klar, ich hatte mir beide Mittelfinger gebrochen, vermutlich bereits bei diesem Sturz. Dennoch kam ich gut voran, war auf den nächsten Kilometern nur am Überholen. Ab 800 Metern Höhe lag Schnee, wenig, den kalten nebligen Atem der Alten im Nacken ging es mir sehr gut. Bei Kilometer 22 war der höchste Punkt überschritten: Downhill!

Nein, die Strecke war nicht schwer, sie war aber matschig und extrem lehmig, ein Kinderspiel für meine inov8 Roclite 312 gtx, ich hatte stets Grip, arbeitete mich stetig nach vorne, ohne an körperliche Grenzen zu gehen, doch ich bleibe nochmal hängen. Um 2.24 Uhr reißt mir die Alte am rechten Fuß – Flugrolle, rechts über die Schulter, das habe ich vor vielen Jahren in einer anderen Sportart gelernt, viele Steine stecken in der Matsche – aua, dann das F-Wort. Zwei nachfolgende Läufer sprechen mich an – ich verstehe nix, rapple mich hoch, stehe: tief durchatmen. Mir ist übel, aber ich stehe. Ok, heute wird das keine  Bestzeit, ich schleiche von dannen, gehe die nächsten Meter bergab. Laufe langsam, wenn die Wege besser werden. Gehe, wenn sie schwierig sind. Nach 28 Kilometern das Verpflegungszelt. Ich nehme Tee, Kekse und Schokolade, dann geht es weiter.

So ähnlich muss die Sturzstelle ausgesehen haben (Das Bild ist von der Alb).

Der Kurs ist wellig, zumeist trailig, bei 32 kommt ein steiler, schmaler Downhill. Laufen kann ich die Passage nicht, noch ein Sturz, dann ist es aus – ich stakse vorsichtig bergab, muss ständig ausweichen, werde überrannt, drücke mich hin und wieder ins Gebüsch, ich bin ein Hindernis. Ich entscheide, bei der nächsten Verpflegung raus zu gehen. Meine Frau in Lyon aus dem Bett zu klingeln, um mich hier aus den Fängen Madame Saintélyons zu befreien, halte ich für keine gute Idee, schließlich habe ich mir das Techtelmechtel im französischen Outback selbst eingebrockt. Einfach weiter …

Bis St. Genou sind es noch sechs Kilometer, ich rechne fest damit, dass dort ein Shuttle nach Lyon für mich bereit steht. Das Zelt ist rammelvoll, einige liegen inmitten des versifften Bodens und ruhen, wenigstens warm. Ich suche Frank, er hätte mich längst überholen müssen, denke ich, immerhin bin ich schon 14 Kilometer im Schneckentempo unterwegs. Nur fremde Gesichter, vielleicht ist er irgendwann an mir vorbei. Der Medizintrakt ist überfüllt. In Rettungsdecken gehüllt hocken die Elendigen auf Bierbänken, die Alte hat sie alle vernascht. Nein, so will ich nicht enden, ich suche den Bus, finde keinen, kann kein französisch: raus in die kalte Nacht, … weiter.

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Die Kurven der Madame

Noch gut  30 Kilometer bis Lyon, tendenziell abwärts, auch wenn immer wieder ein kleiner Stich wartet. Ich bilde mir ein, dass bei Kilometer 50 die Verpflegung in einem Ort ist, da haben die sicher einen Bus. Irgendwie müssen ja auch die Staffelläufer weiterkommen. Wenig später: „Andi, was ist los?“, Frank hatte mich noch nicht überholt, jetzt isser da. Ich erkläre ihm meinen 2. Sturz und dass ich eigentlich nicht nach Lyon wandern, sondern laufen wollte. Die bisherige Nacht mit Madame hat ihn müde gemacht und er überzeugt mich schnell, dass wir es gemeinsam ins Ziel versuchen sollten. Fast pünktlich um 9 Uhr sind wir da. Die Zeit und die Platzierung spielen keine Rolle, auch wenn nur gut 1000 vor uns in Lyon ankamen. Gemeinsam haben wir es der garstigen Alten gezeigt – selten war ich so froh, es geschafft zu haben.

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Am Vortag sah der Zieleinlauf entspannt aus.

Nachtrag: Nachdem wir den Rennarzt gefunden hatten, schickte er mich ins Krankenhaus Saint Joseph. Dort wurde ich nett behandelt und fühlte mich in sehr guten Händen. Sieben Stunden war ich dort mit meiner Frau. Ich war nicht der einzige Läufer! Für die Röntgenbilder und die Behandlung musste ich 44 Euro bezahlen. Die verordnete Dosis Schmerzmittel nahm ich nur zwei Tage. Mein Chirurg in Deutschland meinte, damit könne man Pferde betäuben, und so fühlte ich mich auch nach der jeweiligen Einnahme. Dass meine Mittelfinger gebrochen waren, hat sich erst vor wenigen Tagen herausgestellt, als wir (nochmals) röntgten. Das Schlüsselbein wächst zusammen. Mit der Alten aus Lyon habe ich noch eine Rechnung offen, und auch wenn der Abschluss diese Laufjahrs kein versöhnlicher war, werde ich noch oft an die Nacht mit Madame Saintélyon denken:

Steh auf, wenn Du am Boden liegst, um es mit den Toten Hosen zu sagen –  46 Kilometer gehen auch mit gebrochenen Fingern und gebrochenem Schlüsselbein!

Nach fast 40 Stunden ohne Schlaf: Gemeinsames Abschlußessen in der Brasserie Georges.

 

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Die Schlacht im Schlater Wald

Heute Mittag durchbrach ich den Belagerungsring der Viren, die tief bis in meinen Rachen vorgedrungen waren. Ich hatte mich intensiv auf diesen Befreiungsschlag vorbereitet. Erwiesen sich die kleinen Schmarotzer doch als sehr kampferprobt und widerstandsfähig. Ausreichend Flüssigkeit, Schlaf und manches Medikamentenzeugs, konnten den Ring in den vergangenen Tagen nicht sprengen. Ich hatte diesen Versuch bereits am Freitag in Erwägung gezogen, aber zu dicht waren da die Stellungen der Viren im Rachenraum. Gestern war das Wetter zu unbeständig, um es mit dem Erkältungsgesindel aufzunehmen – Schwermut machte sich breit: Bloß keine Nuller-Woche. Die Laufschuhe musssten her. Langsam schlich ich mich davon, doch sie hatten mich erwischt, die Hustenattacken setzten bereits nach den ersten Metern zu, ich wich beiseite. Die einwöchige Belagerung hatte die Viren müde gemacht, nur langsam stemmten sie sich gegen meinen Widerstand. In stoischer Ruhe folgte ich meiner Spur, der Feind schien zu weichen, die Nase lief und nach einer Stunde war es vorbei. Ein letztes Nachtreten einzelner Virenstämme nach dem öffnen der Haustüre – noch einmal, von ganz tief unten forderten sie mich, brachten mich zum röcheln – vergeblich!

Die Schuhe für den Montagslauftreff sind bereits gepackt und unterhalb des Hohenstaufens wird der Seuche morgen der Garaus gemacht. 20141005_143356[1]

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Gemeinsam ist’s am Schönsten

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Langstreckenläufer gelten häufig als Eigenbrödler, als Sturköpfe, die eisern ihre Einheit abspulen, stundenlang durch die Gegend traben. Ja nicht aufhalten lassen, wenn jemand nach dem Weg fragt, Uhr aus zur Pinkelpause, das macht sonst den Schnitt kaputt.Ich gehöre auch zu der Spezies, die meist alleine in Wald und Flur Kilometer sammelt. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Ich muss mich auf niemanden einlassen, kann mein Tempo laufen, muss auf niemanden Rücksicht nehmen und mich mit niemanden unterhalten. Und überhaupt, wenn es es mal richtig zäh wird oder der Begleiter einfach fitter ist, muss ich niemanden eine Schwäche eingestehen. So trainiere ich oft, aber zum Glück nicht immer.

Zum Beispiel hatte ich diese Woche, so viele Kilometer, wie noch nie in diesem Jahr, und war davon die wenigstHandy2014 720en alleine unterwegs – das war klasse. Dabei fing die Woche traurig an, beim montägliche Lauftreff, keine Sau – alle im Urlaub. Ich renne die 15 Kilometer  schneller als sonst in der Gruppe, ich sag’s doch: alleine kann ich mein Tempo rennen. Am  Mittwoch dann eine „normale“ Einheit mit Andy, am Ende sind es wieder 15 Kilometer einen Tick langsamer.

Donnerstag das Highlight beim Voll-Mondtrail, den  mein französischer Trailfreund Éric mit mir vergangenen November in einer Nacht- und Nebelaktion initiiert hat: Wellige 30 Kilometer von Metzingen nach Nürtingen: Der Termin steht, und wer kommt, kommt. Diese Woche waren wir zu acht, alles ambitionierte Läuferinnen und Läufer, entsprechend forsch war das Tempo. Aber man lernt neue Leute kennen, kann sich austauschen, plaudern, lachen und ganz nebenher die 900 Höhenmeter bewältigen.

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Deshalb bin ich am Samstag auch nach Gruibingen gelaufen, um bei Ultraschneckens Plain Vanilla vorbeizuschauen. Die Wetteraussicht hatte das geplante Bergwochenende nicht ermöglicht und ich konnte endlich mal wieder Frank treffen. Mit ihm war ich im Vorjahr beim CCC in Chamonix und wir hatten uns beim Trail in Rouffach zuletzt gesehen. Also ausnahmsweise mit dem Auto einige Kilometer zurückgelegt, mich irgendwie durch Wiesen, Brennnesseln und das Unterholz an die vermeintliche Laufstrecke begeben, um Frank zweieinhalb Runden zu begleiten. Dass er dann am Ende auch noch Schn1555334_878842488810926_8851443381478847622_nellster war, hat mich doppelt gefreut. Und, dass ich wieder ein Ziel habe: Er hat mir von einem Lauf im Dezember erzählt, den wir gemeinsam angehen könnten. Nicht nur deshalb hat sich mein Lauf nach Gruibingen gelohnt.

Heute hat endlich wieder mal ein Lauftermin mit Micha geklappt, eigentlich wollten wir in die Berge, aber das haben wir verschoben. Mit Micha bin ich über den Winter alle langen KantHandy2014 740en am Albtrauf getrailert, aber in den vergangenen Wochen hat es nie geklappt. Wir haben 35 Kilometer geplant und ich bin wieder ein kleines Stück  mit dem Auto angefahren. Wir waren fast 5 Stunden unterwegs, haben 1100 Höhenmeter gemacht und die Strecke ein paar Kilometer verlängert. Alles inklusive: Asphalt, Schotter, Traum-Trails, mehrere Off-Trail-Einheiten, vier Bremsenstiche und eine ausgiebige Rast mit Cola und Schoko.

Man hat die WochHandy2014 739e Spaß gemacht: 133 Kilometer mit 3200 Höhenmeter  – endlich mal wieder eine sportliche Woche.

Danke an alle, die mich dabei begleitet haben. Ultratrailer sind Herdentiere!

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Blue, Johnny blue

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Der Mozart100 wird mir blau in Erinnerung bleiben.  Nicht nur weil Sieger Nemeth Csaba aus Ungarn im blauen Trikot seines Sponsors durch den Zielbogen auf dem Residenzplatz lief, sondern auch weil mich mein großer linker Zeh mit seiner blauen Farbe den Rest des Jahres begleiten wird – bis er abfällt.

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Aber die Erinnerung an das Ereignis Mozart100 in Salzburg werden gute sein. Bei optimalen Laufbedingungen startete die dritte Auflage in Mozarts Geburtsstadt. Vier flache Kilometer führten mich entlang der Salzach aus der Stadt. Anfangs waren nur acht Männer vor mir, die drei Führenden des 100-Kilometer-Laufes, die kurz vor dem offiziellen Starts des 56-Kilometer-Rennes die erste Laufrunde beendet hatten und fünf schnelle Jungs, mit denen ich mich messen wollte.

Ich war gut auf das Rennen eingestellt, nachdem ich krankheitsbedingt eine Woche davor mein Saison-Highlight in Biel absagen musste, war ich heiß. Wohlwissend, dass es an der Fitness fehlte. Nach 12 Tagen ohne Training verspulte die erste „lockere“ Einheit drei Tage vor dem Rennen bereits meine Muskeln. Das spürte ich bereits auf den ersten flachen Asphaltkilometern.

Für die 56 Kilometer mit 1300 Höhenmeter hatte ich mir eine Zeit unter 5 Stunden vorgestellt. Das war in den beiden Vorjahren Rang 6 und genau in der Position lief ich los. Obwohl ich die Anfangskilometer deutlich unter 5er-Schnitt lief, fiel ich bis zu Beginn des ersten Anstiegs mit gut 300 Höhenmeter auf sieben Kilometer auf Rang 20 zurück.

Kein Grund zur Beunruhigung, alles im Plan. Ich gehe immer verhalten an und kann unter normalen Bedingungen mein Tempo relativ lange laufen. Am Ende des Anstiegs, nach 12,5 Kilometer war ich 12. Ich bin nur meinen lockeren Rhythmus weitergelaufen und habe eingesammelt. Wenig später überholte mich einer, der sich an der nächsten Verpflegung für meine Tempoarbeit bedankte und dann stoppte – sein Staffeleinsatz war zuende. Seinen frischen Kollegen hatte ich wenig später. Und dann stand da einer am Straßenrand bei zwei Frauen. Der sah nicht gut aus – gebückte Haltung, schmerzverzerrtes Gesicht. Weitere Details erspare ich euch. Erst im Ziel habe ich erfahren, dass das Andreas Pfandlbauer war, der nach der ersten Runde der 100-Kilometer-Läufer gemeinsam mit Csaba führte. Im Ziel hat er erzählt, dass er am liebsten ausgestiegen wäre, er hatte schon gut 60 Kilometer in den Beinen.

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Ich lief hingegen schnurstracks auf den „Climb“ zu, ein echter Trail, vermutlich deutlich zweitstellige Steigungsprozente und gleich am Einstieg konnte ich zwei weitere passieren. Irgendwann musste ich gehen, aber ein weiterer Platz war noch drin. Oben war ich 7. und alleine, der Halbmarathon war um. Wenn Du gar niemanden mehr vor Dir siehst, ist das manchmal ein unsicheres Gefühl, aber die Streckenmarkierung hatte absoluten UtMB-Standard, da gibt es kein vertun.

Mir ging es blendend und als ich plötzlich vor mir ein rotes Trikot erkannte, glaubte ich meinen Augen nicht, das konnte nur Salameh al Aqra sein, vor mir startete niemand in einem roten Oberteil. Aber nach der nächsten Biegung war er wieder ausser Sicht. Eine jordanische Fata Morgana? Nein, bei Kilometer 23 passierte ich ihn, er war fertig. Auch wenn er auf meine Frage, ob es ihm gut gehe mit einem zaghaften „yeah“ antwortete. Er hatte einen langsamen Schlürfschritt und seine Augen wirkten hilflos und leer. Ich drehte mich wenig später an einem leichten Gegenanstieg nochmals um. Ich konnte es nicht fassen, dass ich gerade den Marathon des Sables Sieger von 2012 einfach ganz locker überholt hatte. Klar er hatte 45 Kilometer mehr in den Beinen – trotzdem.

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Am See entlang nach Fuschel ist es ein abwechslungsreicher schöner Weg. Kein Trail aber er schlängelt sich am Ufer entlang und hat immer wieder einen kleinen giftigen Anstieg zu bieten – fast wie daheim auf der Schwäbsichen Alb. Das Tempo perfekt. Nach 2:37 h habe ich die 30 Kilometer (900 Höhenmeter) bis Fuschel zurückgelegt. Mir geht es gut – vor der Verpflegung presse ich mir ein Gel rein, ein Becher Cola, Wasser. Kurze Bestätigung an meine Frau: „Alles ist gut, aber die Oberschenkel tun weh – mal sehen, was noch kommt.“ Unterdessen versucht mich der Streckensprecher aufzuhalten. „Mach langsam, trink noch was, die anderen sind gerade erst vor einer Minute gestartet – lass Dir Zeit!“

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Wie bitte? Ich bin hier im Wettkampfmodus und nicht die Deutsche Bundesbahn. Ich will weiter. Laut Zeitplan startete der 26 Kilometerlauf von Fuschel nach Salzburg bereits vor zehn Minuten. Doch das stimmte nicht. Der Starter wartete den Führenden des 100-Kilometer-Laufes ab und starte nachdem Csaba durch war. Knapp drei Minuten später kam ich! Jetzt hatte ich also hundert Walker und 250 Läufer direkt vor mir. Und der Weg wurde nach der Verpflegung schnell eng – sehr eng. Ein Singltrail, dicht bezaunt und später bewachsen.

Mist, ich brüllte zwischen zehn und und fünfzehn Minuten ständig „Achtung“ und verachte all diejenigen, die im Wettkampf mit Knopf im Ohr laufen. Die hören nämlich null. Bei Kilometer 33 dann das Malheur. An einer vermeintlich lichteren Stelle schere ich links aus, da war es frei – scheinbar. Es scheppert und ich kann mich nur mit sehr viel Mühe gegen einen Sturz wehren. Mir wird heiß, mir schießt Adrenalin in den Kopf, als hätte mir der Zahnarzt gerade in den Nerv gebohrt. Nchts anmerken lassen, weiter. Ich reiße mich zusammen und beschleunige. Bloß weg hier von den anderen, die meine Pannenaktion miterleben durften. Mein linker Fuß ist irgenwo dagegengedonnert, eine Wurzel ein Stein. Ich weiß es nicht. Jedenfalls war der Zeh zwei Stunden später bereits blau.

Der Weg wird breiter und ich kann wieder gleichmäßig laufen. Aber langsam spüre ich die Erschöpfung. Die letzten fünf Kilometer waren tempomäßig ok, aber aufgrund der laufenden Hindernisse sehr unrhythmisch. Der Asphalt-Anstieg „The Wall“, muss ich gehen, die meisten anderen auch. Meine Marathondurchgangszeit mit 1000 Höhenmeter liegt knapp unter 3:45 h – Voll ok! Jetzt folgen gut zehn Kilometer nach Salzburg die kaum Höhenmeter aber fast 400 Meter Gefälle beinhalten.

Doch bei 44 ist der Ofen aus. Ich kann nicht bergab rennen. Ein schöner Waldweg mit sieben, vielleicht acht Prozent Gefälle bremst mich aus. Ich kann es nicht glauben, versuche es immer wieder, aber meine Oberschenkelmuskulatur ist zerstört. Ich werde überholt, angefeuert „Du bist doch einer von den Langen?“ – immer schwingt Respekt mit. Fast alle habe ich vorhin vor mir hergescheucht. Doch langsam kommen auch wieder meine Anfangsbegleiter. Andreas Pfandlbauer und später in Salzburg Salameh al Aqra. Sie haben mich wieder gestellt. Mit 45 Kilometer mehr in den Beinen, haben Sie mir klargemacht, dass erst im Ziel Schluss ist. Und davor geht es noch über den Kapuzinerberg. Der besteht hoch- wie abwärts meist aus Stufen und Planken. Es sind angeblich je nur 200 Höhenmeter auf insgesamt dreieinhalb Kilometer. Ich komme kaum rauf und noch schlechter runter.

Nach 5:27 h bin ich im Ziel: Rang 21. Ich bin um viele Erfahrungen reicher. Bedient, aber nicht enttäuscht. Ich hatte fast 4 Stunden lang einen geilen Lauf in schönem Terrain, eine bestens beschilderte Strecke mit zahlreichen, üppig bestückten Verpflegungen, konnte lernen, wie sich ein Trainingsdefizit anfühlt und durfte im Ziel mit den drei Stars des 100-Kilometer-Laufes plaudern. Wobei das aufgrund der Sprachprobleme mit Salameh schwierig war, dafür gibt es ein Bild mit dem Marathon des Sables-Sieger 2012. Und mein blaues Andenken wird mich den Sommer über begleiten.

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